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Paderborn ersetzt Gas durch Wärme aus dem Kanal

Jeden Morgen beginnt die Arbeit unter der Münsterstraße mit einem ungewöhnlichen Ablauf: Ein Schieber wird geschlossen, das anfallende Abwasser vorübergehend im Regenüberlaufbecken am alten Klärwerk eingestaut und der Kanal gespült. Erst danach können die Fachleute die Wärmetauscherelemente im Hauptsammler montieren.

Die Stadt Paderborn bereitet damit den Abschied von der Gasheizung im Verwaltungsgebäude am Hoppenhof vor. Ab der Wintersaison 2027/28 soll Wärme aus dem Abwasserkanal das rund 18.000 Quadratmeter große Gebäude versorgen. Nach Angaben der Stadt könnte der gebäudebezogene Kohlendioxidausstoß dadurch um 84 Prozent sinken.

120 Meter Edelstahl unter der Münsterstraße

Der Stadtentwässerungsbetrieb Paderborn (STEB) baut den Abwasserwärmetauscher auf einer Länge von mehr als 120 Metern in die Sohle des Schmutzwasserkanals ein. Der Hauptsammler hat einen Durchmesser von 160 Zentimetern und transportiert durchschnittlich 170 bis 200 Liter Abwasser pro Sekunde aus großen Teilen Paderborns zur Kläranlage Sande.

Diese gleichmäßige Wassermenge macht den Kanal für das Projekt geeignet. Selbst im Winter liegt die Abwassertemperatur nach Angaben der Stadt in der Regel noch über zehn Grad Celsius. Die Anlage nutzt diese vorhandene Wärme, ohne das Abwasser selbst zum Verwaltungsgebäude zu leiten.

Für den Einbau musste zunächst ein neuer Zwischenschacht im Hauptsammler entstehen. Zusätzlich erhielt der vorhandene Anfangsschacht einen Schieber, damit der betreffende Kanalabschnitt während der täglichen Montagearbeiten abwasserfrei gehalten werden kann.

Paderborn ersetzt Gas durch Wärme aus dem Kanal

So gelangt die Wärme in den Hoppenhof

Die auf der Kanalsohle montierten Edelstahlelemente enthalten ein Wasser-Glykol-Gemisch. Dieses nimmt Energie aus dem vorbeiströmenden Abwasser auf. Anschließend zirkuliert die erwärmte Flüssigkeit durch eine Vorlaufleitung zur Wärmepumpe am Hoppenhof und über eine Rücklaufleitung wieder zum Wärmetauscher.

Zwischen der Münsterstraße und dem Verwaltungsgebäude werden dafür rund 380 Meter Vor- und Rücklauf verlegt. Die Leitungen sollen mittels Spül-Bohr-Verfahren unter der Straße hindurchgeführt werden. Projektleiter Sascha Modler zufolge ist deshalb keine Sperrung der Münsterstraße erforderlich.

Der Kanal liefert dabei keine unmittelbar nutzbare Heiztemperatur. Seine Wärme bildet vielmehr die Energiequelle, deren Temperaturniveau durch die Wärmepumpe für den Gebäudebetrieb angehoben wird.

1.000 Kilowatt für 18.000 Quadratmeter

Die geplante Wärmepumpe erreicht einschließlich des Stromanteils eine Heizleistung von 1.000 Kilowatt. Sie soll die gesamte Fläche des Verwaltungsgebäudes beheizen und kann im Sommer auch zur Kühlung eingesetzt werden.

Paderborn ersetzt Gas durch Wärme aus dem Kanal

Für die Stadt bedeutet der Wechsel vor allem, dass Gas künftig nicht mehr als reguläre Wärmequelle für den Komplex vorgesehen ist. Die erwartete Reduktion des Kohlendioxidausstoßes um 84 Prozent bezieht sich auf dieses Gebäude. Angaben zum künftigen Stromverbrauch oder zu den gesamten Projektkosten enthält die städtische Mitteilung nicht.

Vom Kanaleinbau bis zur Heizsaison 2027/28

Zeitpunkt oder Phase Geplanter Schritt
Sommer 2026 Abschluss des mehr als 120 Meter langen Wärmetauschers im Kanal
Nach dem Kanaleinbau Verlegung der rund 380 Meter langen Vor- und Rücklaufstrecke
2027 Austausch der vorhandenen Gasheizung durch die Wärmepumpe
Wintersaison 2027/28 Vorgesehener Betrieb mit Abwasserwärme

Die Arbeiten im Kanal wurden vorgezogen, weil sie nur in der niederschlagsärmeren Jahreszeit möglich sind. Für den Abwasserwärmetauscher erhält der STEB eine Förderung von 100.000 Euro. Fördermittel für den Einbau der Wärmepumpe sollen im kommenden Jahr gesondert beantragt werden.

Weitere öffentliche Gebäude könnten folgen

Bauleiter Henning Schümann, Projektleiter Sascha Modler und Alexander Krenke vom Gebäudemanagement begleiten die Umsetzung. Nach Aussage Modlers ist der Einbau des Wärmetauschers bereits „so gut wie abgeschlossen“. Als nächster baulicher Schritt folgt die unterirdische Leitungsverbindung in Richtung Hoppenhof.

Der STEB hat das Paderborner Kanalnetz außerdem auf vergleichbare Möglichkeiten geprüft. Dabei wurden weitere Stellen gefunden, an denen öffentliche Gebäude nahe genug an geeigneten Abwasserkanälen liegen. Konkrete Gebäude, Zeitpläne oder Investitionssummen für mögliche Folgeprojekte hat die Stadt bislang nicht genannt.

Quelle: City of Paderborn Press Releases

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