Am 2. August 2026 jährt sich der Tod Paul von Hindenburgs zum 92. Mal. Das Datum markiert einen entscheidenden Einschnitt: Adolf Hitler vereinigte unmittelbar danach die Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers. Die nationalsozialistische Diktatur hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits etabliert, doch nun entfiel auch das eigenständige Staatsoberhaupt. Der nächste zentrale Schritt folgte am 19. August 1934 mit einer Abstimmung, die der Machtbündelung nachträglich Zustimmung verschaffen sollte.
Von der Redaktion Systemfehlr.de | Stand: 2. August 2026
2. August 1934: Der Tod des Reichspräsidenten
Paul von Hindenburg starb am Morgen des 2. August 1934 auf seinem Gut Neudeck in Ostpreußen, dem heutigen Ogrodzieniec in Polen. Der ehemalige Generalfeldmarschall war seit 1925 Reichspräsident und damit das Staatsoberhaupt der Weimarer Republik.
Seine historische Rolle ist widersprüchlich. Hindenburg galt vielen konservativen Deutschen als Symbol militärischer Autorität und staatlicher Kontinuität. Zugleich trug er zur Aushöhlung der parlamentarischen Demokratie bei, indem er seit 1930 Regierungen stützte, die sich zunehmend auf Notverordnungen statt auf stabile Mehrheiten im Reichstag verließen.
Am 30. Januar 1933 ernannte Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Konservative Politiker glaubten, Hitler innerhalb eines von ihnen dominierten Kabinetts kontrollieren zu können. Diese Erwartung erwies sich innerhalb weniger Monate als folgenschwere Fehleinschätzung.
Hitlers Nachfolge war bereits am Vortag geregelt
Hindenburgs Tod löste keine offene Nachfolgeentscheidung mehr aus. Bereits am 1. August 1934 hatte die Reichsregierung das „Gesetz über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs“ beschlossen. Es bestimmte, dass das Amt des Reichspräsidenten nach Hindenburgs Tod mit dem des Reichskanzlers verbunden werden sollte.
Das Gesetz trat mit dem Tod des Präsidenten in Kraft. Hitler übernahm dessen Befugnisse und führte fortan die Bezeichnung „Führer und Reichskanzler“. Eine reguläre Wahl eines neuen Reichspräsidenten fand nicht statt.
Dieser Schritt war auch nach den verbliebenen Regeln des NS-Staates problematisch. Das Ermächtigungsgesetz von 1933 hatte ausdrücklich vorgesehen, dass die Rechte des Reichspräsidenten unberührt bleiben sollten. Die Vereinigung der Ämter zeigte deshalb, wie wenig selbst die noch vorhandenen formalen Schranken galten, sobald sie Hitlers Herrschaft im Weg standen.
Die Diktatur entstand nicht erst mit Hindenburgs Tod
Der 2. August 1934 darf nicht als alleiniger Beginn der nationalsozialistischen Diktatur verstanden werden. Wesentliche Grundlagen waren bereits zuvor geschaffen worden: Grundrechte waren außer Kraft gesetzt, politische Gegner verfolgt und Parteien sowie Gewerkschaften zerschlagen worden.
Von der Ernennung zur Ausschaltung der Opposition
Mehrere Entscheidungen zwischen Januar 1933 und August 1934 machten aus einer Regierungsübernahme eine Diktatur:
- 30. Januar 1933: Hindenburg ernennt Hitler zum Reichskanzler.
- 28. Februar 1933: Die Reichstagsbrandverordnung setzt zentrale Grundrechte außer Kraft.
- 23. März 1933: Der Reichstag beschließt das Ermächtigungsgesetz; die Regierung kann Gesetze ohne Parlament erlassen.
- 14. Juli 1933: Die NSDAP wird zur einzigen zugelassenen Partei erklärt.
- 30. Juni bis 2. Juli 1934: Beim sogenannten Röhm-Putsch lässt Hitler tatsächliche und vermeintliche Gegner ermorden.
- 1. August 1934: Die Zusammenlegung der Ämter von Reichspräsident und Reichskanzler wird gesetzlich vorbereitet.
- 2. August 1934: Hindenburg stirbt; Hitler übernimmt die Befugnisse des Staatsoberhauptes.
- 19. August 1934: Eine Abstimmung soll die bereits vollzogene Ämtervereinigung nachträglich bestätigen.
Die Zeitleiste macht den entscheidenden Unterschied sichtbar: Hindenburgs Tod schuf die Diktatur nicht aus dem Nichts. Er beseitigte jedoch ein Amt, das zumindest formal noch außerhalb von Hitlers unmittelbarer Kontrolle gestanden hatte.
Der persönliche Eid band die Reichswehr an Hitler
Besonders folgenreich war die Veränderung des militärischen Eides. Angehörige der Reichswehr wurden nicht länger auf die Verfassung oder ein abstraktes Staatsamt verpflichtet, sondern persönlich auf Adolf Hitler.

Damit wurde aus einer institutionellen Bindung ein persönliches Treueverhältnis. Der Eid verstärkte Hitlers Stellung gegenüber der militärischen Führung und erschwerte später den Widerstand innerhalb der Streitkräfte. Viele Offiziere betrachteten das persönlich gegebene Versprechen als verbindlich, obwohl das NS-Regime selbst Recht und Verfassung systematisch zerstört hatte.
Auch die neue Amtsbezeichnung war politisch bedeutsam. Der Ausdruck „Führer und Reichskanzler“ sollte den Eindruck vermitteln, Hitlers Autorität stehe über getrennten staatlichen Funktionen. Sprache, öffentliche Rituale und propagandistische Bilder halfen dabei, die Machtkonzentration als vermeintlich natürliche nationale Einheit darzustellen.
Hindenburg war keine demokratische Schutzfigur
In der Rückschau erscheint Hindenburg gelegentlich als letzte Schranke gegen Hitlers Alleinherrschaft. Diese Beschreibung greift zu kurz. Der Reichspräsident hatte Hitlers Ernennung ermöglicht, die Reichstagsbrandverordnung unterzeichnet und die ersten Schritte der Gleichschaltung mitgetragen.
Dennoch besaß sein Amt eigenständige verfassungsrechtliche Befugnisse. Solange Hindenburg lebte, musste Hitler außerdem Rücksicht auf dessen Ansehen bei konservativen Eliten und in der Reichswehr nehmen. Mit seinem Tod fiel diese personelle und symbolische Begrenzung fort.
Die historische Bedeutung des 2. August liegt deshalb in einer doppelten Erkenntnis: Die demokratische Ordnung war schon vorher weitgehend zerstört, während die anschließende Vereinigung der höchsten Staatsämter den Anspruch auf ungeteilte persönliche Herrschaft sichtbar machte.
Das Deutsche Historische Museum ordnet solche Entwicklungen im Onlineangebot LeMO – Lebendiges Museum Online in die Geschichte der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus ein. Für die Bewertung einzelner Daten ist dieser längere Zusammenhang unverzichtbar.
19. August 1934: Zustimmung unter Bedingungen der Diktatur
Am 19. August ließ das Regime über die Verbindung der Ämter abstimmen. Die Abstimmung war keine freie demokratische Entscheidung: Oppositionelle Organisationen waren verboten, Gegner wurden verfolgt, und die öffentliche Kommunikation wurde von nationalsozialistischer Propaganda beherrscht.
Zudem war die Machtübernahme bereits am 2. August vollzogen worden. Das Votum entschied daher nicht offen über verschiedene politische Möglichkeiten, sondern diente vor allem der nachträglichen Legitimation einer bestehenden Entscheidung. Trotz des repressiven Umfelds stimmten mehrere Millionen Menschen gegen die Vorlage oder gaben ungültige Stimmen ab – ein Hinweis darauf, dass die propagierte Geschlossenheit der Bevölkerung nicht vollständig existierte.
Der nächste Einschnitt am 2. August: Potsdam 1945
Elf Jahre später erhielt der 2. August für Deutschland erneut historische Bedeutung. An diesem Tag endete 1945 die Potsdamer Konferenz im Schloss Cecilienhof. Die Siegermächte legten Grundlinien für den Umgang mit dem besetzten Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg fest.
Zu den Leitgedanken gehörten Demilitarisierung, Entnazifizierung, Demokratisierung und Dezentralisierung. Viele Grenz-, Reparations- und Bevölkerungsfragen blieben konfliktbeladen oder wurden nur vorläufig geregelt. Dennoch bezeichnet der 2. August 1945 den nächsten klar belegbaren Meilenstein dieser historischen Linie: Deutschland stand nicht mehr unter einer vereinigten Diktatur, sondern unter alliierter Besatzung und vor einer politisch wie territorial grundlegend neuen Ordnung.
Quelle: Deutsches Historisches Museum
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Quellenprüfung Historischer Kontext
Die Ereignisse werden anhand ihrer Abfolge und im Zusammenhang mit dem Abbau der Weimarer Demokratie eingeordnet.
- Tod Paul von Hindenburgs am 2. August 1934
- Gesetz zur Verbindung der höchsten Staatsämter vom 1. August 1934
- Abstimmung über die Ämtervereinigung am 19. August 1934
- Ende der Potsdamer Konferenz am 2. August 1945
- Quelle
- Deutsches Historisches Museum – LeMO
- Umfang
- Deutschland
- Aktualisiert
- 2026-08-02 09:07
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